Gedankensplitter

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September
2018
 
Seit 2013 habe ich an dieser Stelle geschrieben, was mir aus aktuellem Anlass wichtig war. Sehr gefreut habe ich mich über die vielen positiven Rückmeldungen, darunter auch von vielen Menschen, die nicht der Kirche angehören. Der Grundgedanke mit der Benennung Gedankensplitter war ein doppelter: ein Anliegen kurz und knapp so zu formulieren, dass es wirklich hängenbleibt. Ganz sicher haben diese Gedanken nicht sofort erkennbar unser Denken verändert. Das war auch nie meine Absicht und wäre auch eine völlige Überforderung gewesen, schließlich war dies immer „nur“ ein Splitter und kein Brett! Aber: wenn viele kleine Menschen viele kleine Schritte gehen, werden sie das Antlitz der Welt verbessern. Ich meine, dies betrifft auch viele kleine Gedanken, die ja jedem Schritt vorangehen müssen. Ich wünsche uns allen viele solcher kleiner Schritte für eine gute Zukunft.
   
August
2018
 

Welt des Betons

Wann berühren wir denn wirklich noch Erde?
Wissen wir noch, wie Sumpfgras nach dem Regen riecht?
Wie offenes Land sich unbebaut dem See nähert?

Gewinnen wir doch wieder das alte Offen-Sein
Agieren wir auch mal gegen so manchen
»Flächennutzungsplan«
Und hundertfache Versiegelungen unseres Bodens.
 
Dann berührt uns die Natur endlich wieder -
Weit über knapp kalkulierte Urlaubswochen
im Abenteuer-Land hinaus.

© Hellmut Bölling

   
Juli
2018
 
„Die Bürokratie ist eine der großen Feinde unserer Demokratie“. So sagt es ein bedeutender Wissenschaftler unseres Landes. Er meint damit eine Bürokratie, der es nicht so sehr um ein verlässliches Miteinander geht, sondern die um ihrer selbst willen existiert. Vertreter solcher Bürokratie machen sich im günstigen Fall lächerlich. Dabei akzeptieren und achten die meisten Menschen Regeln für das Zusammenleben. Aber das Gefühl, dass die Ordnung über den Menschen steht und so drangsaliert zu werden, entwürdigt und gefährdet die Bereitschaft, sich zu engagieren - ob im privaten, im kommunalen, im staatlichen Bereich.
   
Juni
2018
 
„Alles auf unserem Planeten ist miteinander vernetzt und hat miteinander zu tun“. Eine moderne Erkenntnis, für deren Bedeutung wir kein (Sinnes)Organ haben. Wir nehmen immer nur Teilstücke wahr, geprägt von dem, mit dem wir unmittelbar zu tun haben. Je nachdem, ob ich zB. bei der Polizei, im Krankenhaus, als Erzieher, Manager, Gewerkschafter tätig bin, zu welchem Industriebereich mein Arbeitsplatz gehört, welche Freizeitinteressen ich habe, wer zu meinem Bekanntenkreis gehört – all das bestimmt meine Sicht auf die Welt. Bis vor wenigen Jahrzehnten war dies in vielen Lebensbereichen nicht weiter problematisch. Die exponentielle wirtschaftliche, technische und digitale Entwicklung weltweit in den letzten Jahren hat dies umfassend geändert. Unser Tun (oder auch Nichtstun!) hat heute Auswirkungen in viele Bereiche hinein, die wir oft nicht sofort spüren und sehen. Aber wir wirken mit unseren modernen Fähigkeiten weit über das persönlich Überschaubare hinaus. Eine riesige Herausforderung für uns!
   
Mai
2018
 

Es tut uns so gut, im Wald zu sein! Viele Gründe dafür kennen wir. Neulich habe ich zum ersten Mal von einer 30 Jahre alten Studie gelesen. Eine Anzahl Patienten wurde mit der gleichen Methode operiert und völlig identisch behandelt. Es gab nur einen einzigen Unterschied: einige Patienten schauten aus dem Fenster auf einen Baum, die anderen auf eine Hausmauer. Die „Baumgruppe“ konnte schneller nach Hause und brauchte deutlich weniger Schmerzmittel als die „Wandgruppe“. Weitere Studien erbrachten später den Nachweis, dass nicht allein die Freude über die Schönheit der Natur heilsam ist. Pflanzen und Bäume kommunizieren miteinander über chemische Botenstoffe, die sich in der Luft befinden. Diese Vielzahl an bioaktiven Substanzen aus der Pflanzenwelt dienen auch unserem Organismus, um gesund zu bleiben. Wir Menschen als Teil des uralten Netzwerkes Leben sollten diese mit Freude genießen.

   
April
2018
 

Endlich ist Frühling, die Tage werden wieder wärmer und länger, die Natur erwacht und erfreut uns mit ihrer Pracht! – Was, schon ist mehr als ein viertel Jahr vergangen, die Zeit rast aber auch! Zwei unterschiedliche Wahrnehmungen der vergehenden Zeit. Dabei ist diese zB. in Stunden gemessen immer gleich lang – vom 1.1. bis 30.4. sind es genau 2880 Stunden. Aber die persönlich empfundene Lebenszeit lässt sich nicht objektiv messen. Ob sie rast oder schleicht hängt immer von der eigenen Wahrnehmung ab und worauf ich meine Achtsamkeit lege. Ich selber habe es also immer auch mit in meiner Hand, wie „schnell meine Zeit vergeht“. Im Sprichwort „jeder ist seines Glückes Schmied“ spiegelt sich diese Erfahrung wieder. Natürlich nicht absolut, es bleiben immer Sachzwänge, denen ich nicht entgehen kann. Aber es bleibt doch für jeden Freiheit zur eigenen Gestaltung und meist mehr, als ich mir zugestehe. Ich muss diesen Freiraum nur sehen und den Mut haben, ihn auch zu nutzen. Meine Lebenszeit ist mein kostbarestes Gut. Gehe ich ausreichend sorgsam damit um?

   
März
2018
 

Nicht aufzuhalten
Dieses verrückte Kind
das losrennt das Leben zu umarmen
das hinfällt aufsteht und weiterläuft mit zerschlagenen Knien
Dieses verrückte Kind das Hoffnung heißt
an Liebe glaubt

Anne Steinwart

   
Februar
2018
 
Die alten Fichten im Kirchgarten sind nun Opfer des letzten Sturmes geworden. Die Reaktion vieler Menschen darauf: prophylaktisch so schnell als möglich alle Bäume fällen, wenn sie nicht gerade weitab in freier Natur stehen. So sollen mögliche Gefahren beseitigt werden, die von Bäumen ausgehen könnten. Für mich eine sehr erschreckende Reaktion! Denn geht nicht die eigentliche Gefahr von unserer zerstörerischen Lebensweise aus? Gemeinsam sollten wir uns fragen, warum wir versuchen, dieser Erkenntnis auszuweichen. Wollen wir nicht alle in sicheren Verhältnissen leben? Ist eine intakte Umwelt nicht eine notwendige Bedingung dafür und haben Bäume dabei nicht eine große Bedeutung?
   

Januar
2018
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Was entscheidet mit darüber, wie alt wir werden? Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, manchmal völlig unerwartete. So entwickelt sich ie Lebenserwartung in allen Gesellschaften zB. nicht etwa entgegengesetzt zum Körpergewicht, wie viele Menschen vermuten, sondern parallel zum gesellschaftlichen Wohlstand. In Deutschland beträgt der Abstand in der Lebenserwartung bei den Männern zwischen Arm und Reich elf Jahre. Gesundheitskampagnen, wie sie immer wieder auch in unserem Land gefordert werden, dürften daran also nur wenig ändern. Mehr soziale Sicherheit und weniger materielle Ungleichheit hingegen schon, denn Länder mit vergleichsweise geringerer sozialer Ungleichheit weisen auch geringere Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den Sozialschichten auf. Im Buch „Gleichheit ist Glück“ haben 2 Autoren dies eindrücklich aufgezeigt. Gesundheit und Lebenserwartung als Indikatoren für soziale Gerechtigkeit. Der große Unterschied in der Lebenserwartung ist kein schmeichelhaftes Urteil über unser Land. Aber: dies ließe sich ja ändern. Wenn wir es denn wollten.

   
Dezember
2017
 
Alles wird immer schlechter, jeder denkt nur an sich und niemand macht mehr etwas für umsonst. Diese Klage hören wir alle sehr oft und sie hat ja auch einen wahren Kern. Aber sind denn wirklich alle nur noch egoistisch und gleichgültig? Nein! Von zwei Beispielen will ich jetzt erzählen. Auf dem Weg zum Kirmesgottesdienst nach Craula bin ich mit dem Auto stecken geblieben. Die Kirmesgesellschaft saß wartend in der Kirche. Aber die Kirmes eröffnen ohne Gottesdienst? Das geht doch nicht! Und so ist Anna von der Kirmesgesellschaft kurzentschlossen nach vorn in den Altarraum getreten und hat begrüßt, geredet und gebetet und so die Kirmes eröffnet. Inzwischen hat die Craulaer Feuerwehr sich um mein Auto gekümmert. Und sie hat es freundlicherweise getan, ohne mir dafür eine Rechnung zu schreiben, wozu sie berechtigt gewesen wäre.
Zwei Beispiele von beherztem Eingreifen sowie einer Hilfe, die nicht umsonst, aber kostenfrei war. Neben meinem Dank dafür möchte ich ermutigen, nicht immer gleich gedankenlos in das Klagen mit einzustimmen. Stattdessen wahrzunehmen, was es doch auch an unzähligen Beispielen gibt, wie Menschen spontan, mutig und uneigennützig eingreifen. Es gibt sie, diese guten Erfahrungen. Wäre es nicht gut für uns, wir würden uns davon öfter inspirieren lassen?
   
November
2017
 

Seit Jahren wird über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Gegner behaupten, dieses sprenge unser Sozialsystem und fördere die Faulheit arbeitsscheuer Menschen. Geld fürs Nichtstun auf Kosten anderer also, das geht doch nicht! Nun – ein Beispiel: Im Februar übernimmt ein Manager die Fluggesellschaft Air Berlin, die ein halbes Jahr später insolvent ist. Arbeitsplätze gehen verloren oder werden in schlechter bezahlte umgewandelt. Der Manager aber bekommt bis Anfang 2021 weiter sein Grundgehalt von fast
1 Million € pro Jahr, mit Bonus insgesamt 4,5 Millionen € fürs Nichtstun. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, wenn auch pervertiert. Wer wohl schädigt unsere Sozialgemeinschaft?

   
Oktober
2017
 
(zum Bild unter diesem Gedankensplitter – Konfirmanden nach dem Einsammeln von Erntedankgaben für die Tafel in Bad Langensalza)
Vor ca. 7000 Jahren entstand der Text: „wenn du dem Hungrigen deine Seele darreichst, die gebeugte Seele des Armen sättigst – wenn du das tust, dann wird Jahwe deine Seele sättigen.“ Dahinter steht die bis heute gültige Erfahrung: dem anderen zu geben, was er nötig hat an Nahrung und Kleidung, an Aufmerksamkeit und Würdigung – hilft nicht nur dem anderen aus seiner Not, sondern tut auch selber gut. Wir Menschen sind auf Kommunikation und Kooperation angelegt, diese gehören zu unserem Wesen. Im Einklang zu leben mit den in uns angelegten Fähigkeiten und Gaben -mit Menschen, Tier, Natur, Umwelt- das garantierte im Lauf der menschlichen Entwicklung bis heute unser Leben. Unser „Überlebenskampf“ wird auch zukünftig nur dann erfolgreich sein und sinnlose Zerstörungen verhindern, wenn wir miteinander und nicht gegeneinander agieren.
   
September
2017
 
 (zum Bild unter diesem Gedankensplitter – fotografiert zur Jubelkonfirmation in Craula)
Friedrich II. von Hohenstaufen wollte die Ursprache der Menschen finden. Er glaubte, sie entdecken zu können, wenn beobachtet werde, in welcher Sprache Kinder zu reden anfangen, mit denen niemand spricht. Und deshalb befahl er den Ammen und Pflegerinnen, sie sollen den Kindern Milch geben, sie baden und waschen, aber in keiner Weise mit ihnen schöntun und mit ihnen sprechen. Er wollte nämlich erforschen, ob sie die hebräische Sprache sprächen, als die älteste, oder Griechisch oder Latein oder Arabisch oder aber die Sprache ihrer Eltern, die sie geboren hatten. Aber er mühte sich vergebens, weil die Kinder alle starben. Denn sie vermöchten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen und Ernährerinnen.
Aus: Die Chronik des Franziskaners Salimbene von Parma (1221-1287/88
   
August
2017
 
Mitte August wollte ich im Naturkostladen Eier kaufen. Aber sie waren dort seit einigen Tagen restlos ausverkauft. Ein neues Bewusstsein für Bioeier und wachsendes Interesse für eine tierfreundliche Haltung der Hühner? Leider nein! Der Grund für das Kaufinteresse war der Skandal um vergiftete Eier aus der industriellen Geflügelhaltung. Gut, dass es da diese Alternative gibt, die in „normalen“ Zeiten von nicht wenigen Menschen belächelt und abgetan wird. „In ca. vierzehn Tagen wird das aber vorbei sein“ meinte die Verkäuferin lakonisch. Ja, leider. Warum schrecken wir immer nur kurzzeitig auf, wenn unmittelbar eigener Schaden droht? Warum sind wir so gleichgültig gegenüber der Produktion von Lebensmitteln und der Tierhaltung? So wird der nächste Skandal nicht lange auf sich warten lassen….
   
Juli
2017
 

Urlaubszeit – Zeit für all das, was im alltäglichen Leben zu kurz kommt. Urlaubszeit – Zeit auch zum Nichts-Tun-Müssen. Aber schaffen wir das? Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Menschen, der versucht, sehr bewusst zu leben. Er achtet sehr auf seine eigenen Bedürfnisse, zu denen auch körperliche Betätigung gehört. Erst vor kurzem fiel ihm auf, dass sein jahrelanges Joggen unter einem von ihm selbst gesetzten Anspruch stand. Noch schneller, noch länger, noch intensiver. Bei aller Genugtuung, die er empfand, kam ihm jetzt die Frage: wieso setzte ich mich so unter Druck? Offensichtlich merken wir nicht, wie sehr das Leistungsdenken unser ganzes Leben bestimmt, Freizeit und Urlaub eingeschlossen. Ist die Urlaubszeit als Zeit des Nichts-Tun-Müssen nicht eine Chance, darüber nachzusinnen? Müßiggang ist aller Liebe Anfang – dieses verwandelte Sprichwort verstehe ich dazu als freundliche und hilfreiche Anregung.

   
Juni
2017
 
Das Bild unter diesem Gedankensplitter ist im Mai 2017 aufgenommen worden. Zu sehen sind die Bäume in der Behringer Hauptstraße in ihrer vollen Pracht. Fotografiert habe ich sie auf Anregung unseres Apothekers Wolfgang Zott. Mit dieser Aufnahme ist die Hoffnung verbunden, dass diese Bäume nicht zum letzten Mal so herrlich im Grün stehen. Und zu dieser Hoffnung gibt es berechtigten Grund. Es waren Einwohner unseres Ortes, die das Thema Bestand dieser ehrwürdigen Bäume trotz Bauarbeiten nicht losgelassen hat und die es geschafft haben, immer mehr Menschen dafür zu sensibilisieren. Eine endgültige Entscheidung über den Baumbestand steht noch aus. Aber die Erfahrung, dass es doch eine Vielzahl von Menschen gibt, die nicht nur schimpfen, sondern sich engagieren, stimmt doch hoffnungsvoll. Und vielleicht können wir ja im nächsten Jahr unter so ein Foto schreiben: Grün für noch ganz viele Jahre!

PS: Leider waren Gleichgültigkeit, Sturheit und Bequemlichkeit stärker als alle Vernunft und Rücksicht auf unsere Lebensgrundlagen - alle Bäume wurden im Herbst 2017 gefällt!!!

   
Mai
2017
 

Frieden gibt es nicht gegen den andern, sondern nur mit ihm. Und Frieden wird hergestellt, indem einer den bedingungslosen ersten Schritt tut. Friedenspolitik ist die Politik des ersten Schrittes. Sie ist riskant, weil nicht sicher ist, ob der andere den entsprechenden Schritt tun wird. Die Ermutigung zu dieser Politik des ersten Schrittes braucht es deshalb jeden Tag auf´s neue
aus einer Rede des früheren Bischofs Werner Krusche

   
April
2017
 

Was gibt meinem Leben Freude und Erfüllung? Darauf gibt es gewiss und zum Glück keine einheitliche Lösung! Jede(r) muss darauf eine eigene Antwort finden. Was aber könnte sich als persönlicher Maßstab eignen? Vielleicht das Gefühl, dass mein öffentliches Reden und Handeln auch mit dem überein stimmt, wie ich denke und fühle? Dies ist bestimmt nicht immer leicht, aber nur so werde ich locker und überzeugend auftreten können! Oder rede ich nur nach, was andere mir aufgetragen und vorgesagt haben? Der gewiss bequemere Weg, aber der für mich bessere? Ich werde unsicher und wenig überzeugend wirken, weil ich so meine Überzeugungen verleugnen muss! Was wird für mich als Mensch angenehmer und letztendlich erfolgreicher sein?

   
März
2017
 
Wie angekündigt, haben wir diesmal den Weltgebetstag der Frauen kleiner und schlichter gefeiert als in den Jahren zuvor. Der Abend war also anders und dennoch sehr schön. Er war „ereignisärmer“, aber wir waren ganz dicht bei dem geblieben, worum es beim Weltgebetstag geht. Die vergangenen Jahre waren toll: das Essen, die Musik, das bunte Drumherum. Verbunden allerdings mit ganz viel Aufwand an Zeit und Mühe, der letztendlich zu viel geworden ist und nicht mehr zu leisten war. Und so kam uns an diesem Abend die Frage in den Sinn, ob das ganze Drumherum möglicherweise nicht das eigentliche Anliegen des WGT zu sehr in den Hintergrund rückt? Ist es vielleicht nicht sogar ein generelles Problem von uns heute, mit viel Geld, Mühe und Zeit alles super toll machen zu wollen, aber wir vor lauter Anstrengung am Ende erschöpft sind, auch weil es die ständige Steigerung an Attraktivität braucht? Und wächst damit nicht die Gefahr, aus den Augen zu verlieren, worum es uns im Grunde genommen geht? Im Leben, im Feiern, im Arbeiten, wobei auch immer?
   
Februar
2017
 
Jedes Jahr am ersten Freitag im März erwartete die Behringer ein besonderes Ereignis – den Weltgebetstag der Frauen. Die Kirche in Wolfsbehringen, das Herrenhaus in Hütscheroda, das Bonhoeffer-Haus und zuletzt der Europasaal des Schlosshotels waren die Orte, an denen die Besucher ein abwechslungsreicher, informativer und zum Nachdenken anregender Abend erwartete. Jedes Jahr wurden es mehr Menschen, die dabei sein wollten. Hinter diesem Erfolg stand ein kleiner Kreis von Frauen unseres Ortes, die spätestens ab Anfang Januar in vielen Treffen zusammen kamen. Ihrer Mühe, Phantasie, der Bereitschaft, auch viel Zeit aufzuwenden, verdanken wir die vielen schönen Abende – die Fotos unter http://www.kirche-behringen.de/fotos_gemeindeleben/wgt/hauptseite_wgt.htm zeigen dies sehr eindrücklich. Nun schaffen es die Frauen nicht mehr, diesen enormen Aufwand zu leisten Vielen Dank an Euch für die vielen tollen Abende für unseren Ort, die es ohne Euch nicht gegeben hätte!
   
Januar
2017
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Abwarten? Tun! (von Erich Kästner)
Rundheraus: das alte Jahr war keine ausgesprochene Postkartenschönheit, beileibe nicht. Und das neue? Wir wollen‘s abwarten. Wollen wir‘s abwarten? Nein. Wir wollen es nicht abwarten! Wir wollen nicht auf gut Glück und auf gut Wetter warten, nicht auf den Zufall und den Himmel harren, nicht auf die politische Konstellation und die historische Entwicklung hoffen, nicht auf die Weisheit der Regierungen, die Intelligenz der Parteivorstände und die Unfehlbarkeit aller übrigen Büros. Wenn Millionen Menschen nicht nur neben-, sondern miteinander leben wollen, kommt es auf das Verhalten der Millionen, kommt es auf jeden und jede an, nicht auf die Instanzen. Wenn Unrecht geschieht, wenn Not herrscht, wenn Dummheit waltet, wenn Hass gesät wird, wenn Muckertum sich breit macht, wenn Hilfe verweigert wird – stets ist jeder Einzelne zur Abhilfe mit aufgerufen, nicht nur die jeweils „zuständige“ Stelle. Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt. Und jeder von uns und euch muss es spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet. Wartet, dass er handele, helfe, spreche, sich weigere oder empöre, je nachdem. So wünsche ich euch allen, dass im neuen Jahr nicht das Abwarten im Vordergrund steht, sondern das Tun. Alles Gute!

     
Dezember
2016
 
Im letzten Bürger-Echo gab es beim Druck unserer Kirchenseite eine technische Panne. Durch ein Versehen wurden die Fotos aus der vorletzten Ausgabe über den Text und die Fotos der Konzert-Rückschau gedruckt. Für die Chormitglieder, die den Artikel gespannt erwartet hatten, sicher ein Ärgernis. Die Enttäuschung darüber war zu spüren. So verständlich diese ist, aber ist es andererseits nicht völlig normal, dass wir Menschen in unserem Handeln auch Fehler machen? Im konkreten Fall war es nur eine kleine Enttäuschung. Aber wie oft erlebe ich es, dass von anderen verlangt wird, immer alles zu 100 Prozent perfekt zu machen und wehe, dem ist nicht so…… So schaffen wir mit unseren überzogenen Erwartungen ein sehr unfreundliches Klima.
In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Wir lassen uns von einem kleinen Kind anrühren. Ein Kind hat keine Erwartungen außer denen, Zuwendung, Zuspruch und Behütung zu erfahren. Davon kann es nicht genug bekommen, alles andere ist nicht so wichtig. Auch wir Erwachsene fühlen im Grunde genau so. Wenn wir jetzt mitten in den Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest stecken, sollten wir uns dessen besinnen
   
November
2016
 

Gibt man in einer Suchmaschine das Wort „Lösung“ ein, dann kommen Am kommenden Sonntag beginnt die Adventszeit, die Zeit der Besinnung und inneren Einkehr. So jedenfalls sind die Erwartungen vieler Menschen an diese Zeit, die Wirklichkeit sieht allerdings oft anders aus. Die Ursachen dafür vielfältig. Eine davon wird in der nebenstehenden Erzählung beschrieben: Ungeduld, Nicht-abwarten-Können, alles sofort haben zu wollen. Diese Einstellung bringt Unruhe und Hektik mit sich. Das Mädchen Anna ist müde, schläft ein und träumt etwas wunderschönes. Der Traum vermischt sich mit der Gegenwart und verändert diese. Nun müssen wir nicht unbedingt auf einen Traum warten, denn unser Dasein hält viele helfenden Angebote bereit, unser Leben im von uns gewünschten Sinn zu ändern. Die trübe Zeit des November bietet sich an, äußere Aktivitäten zu reduzieren und darüber zu meditieren und nachzudenken, wie die persönliche Adventszeit so organisiert werden kann, dass diese Zeit tatsächlich besinnlich wird und innere Einkehr sich einstellt. Von allein wird es nicht passieren. Wenn wir nicht wieder zum Weihnachtsfest feststellen wollen, dass die Adventszeit so hektisch war wie all die Jahre zuvor, dann müssen wir jetzt den „Zauberengel“ aktivieren. Dieser ist allerdings niemand anderes als der unbedingte Wille, unsere Sehnsucht in die Tat umzusetzen. Viel Erfolg dabei!als Ergebnis ganz unterschiedliche Bedeutungen: a) Lösen, Auflösung – Bewältigen einer Aufgabe; b) [Sich]lösen – Befreien, Loslösen; c) Auflösen – Annullieren; d) das [Sich]auflösen eines Stoffes in einer Flüssigkeit. Allein diese vielfache Bedeutung eines schlichten Wortes, abhängig vom Zusammenhang, in dem das Wort benutzt wird! Das macht mir bewusst, wie kompliziert erst Berichte unseres menschlichen Zusammenlebens sein müssen! Wie aussagekräftig ist eine Schlagzeile oder eine Nachricht ohne entsprechendes Hintergrundwissen? Nachrichten vermitteln ein erstes Bild darüber, was bei uns und in der Welt passiert. Aber braucht es nicht darüber hinaus die intensive Beschäftigung mit dem, was uns in den Nachrichten präsentiert wird, um diese angemessen beurteilen und einordnen zu können? Ich wünsche uns allen die dafür nötige Einsicht und Zeit. Die jetzt beginnende stille Zeit des November bietet sich dafür sehr gut an.

   
Oktober
2016
 
Vor einigen Tagen erzählte mir eine Frau von einer Fernsehsendung, in der es um den Mond ging. Durch die Sendung erfuhr sie, dass ohne den Mond das Leben auf unserer Erde gar nicht möglich wäre. Das Staunen und Wundern darüber bestimmte dann auch unser Gespräch. Und wir merkten ganz schnell, wie sehr wir Menschen mit unserem Denken und Vorstellungsvermögen an eine Grenze kommen, die wir nicht überwinden können. Die Sonne als Voraussetzung für unser Dasein – gut, das wissen wir, aber auch der Mond? Und überhaupt, wie eng die Toleranzgrenzen für Abstände, Geschwindigkeiten, Gravationskräfte im All sind, damit unser Leben hier in der gewohnten Form existieren kann. Und das über riesige Zeiträume und unvorstellbare Ausmaße hinweg. Da bleibt nur das Staunen. Die Ehrfurcht darüber, was für ein großartiges Wunder das Leben auf unserem kleinen Planeten ist. In unserem Gespräch kamen wir an diesem Punkt ganz schnell zur Dankbarkeit und Achtsamkeit gegenüber unserem Dasein. Die engen Toleranzen im Universum garantieren das Leben auf unserer Erde! Wir Menschen verfügen über ein großes Potential, Lebensgrundlagen zu verändern. Wie steht es dabei um die Toleranzen, deren Respektierung durch uns das Leben erhält? Lasst uns staunend darüber ins Gespräch kommen.
   
September
2016
 

Wenn Sachen zur Ehre gereichen, gerät Denken in Schieflage.
Wenn Ämter zur Ehre gehören,
verkommt Menschlichkeit zur erledigenden Sache.
Wenn Ehre Würde bedeutet, gebührt sie ungeteilt allen Achtsamen.

   
August
2016
 
Vier unterschiedliche Ansichten der Hauptstraße in Behringen, aufgenommen aber an nur zwei Standorten. Zwei der Fotos zeigen, wie schön unsere Hauptstraße durch den alten Baumbestand ist. Die Bedeutung der Bäume geht aber weit über ihre Schönheit hinaus. Sie spenden Schatten, reinigen die Luft und sind Lebensraum für viele Tiere. Unsere Vorfahren haben die Bäume entlang der Straße gepflanzt, zum Teil sind die abgebildeten Bäume um die 80 – 90 Jahre alt. Und sie werden uns zur Freude noch viele Jahre so stehen, wenn wir mit ihnen sorgfältig umgehen. Zwei der Fotos zeigen, wie kahl und leer unser Ort aussehen würde, wenn die Bäume verschwunden wären. Denkbar zum Beispiel durch Leichtfertigkeit, Gedankenlosigkeit oder kurzfristigem, scheinbarem Vorteil für geplante Bauarbeiten entlang der Straße. Verschwinden würden darüber hinaus auch die für unsere Lebensqualität so wichtigen Funktionen der Bäume. Und das für sehr lange Zeit, denn neu gepflanzte Bäume brauchen viele Jahre, um wieder so prächtig zu werden, wie es viele der Bäume in der Hauptstraße heute sind.
   
Juli
2016
 
Die Hängematte ist ein sehr schöner Ort! Sie steht für Ruhe, Zu-sich-finden, Entspannung, Muße. Es tut so gut, Momente zu genießen, in denen das Leben mit seinen Anforderungen weit weg ist. Und wenn ich die Hängematte dann verlassen kann in der Überzeugung, nicht alle Forderungen an mich um jeden Preis und ständig erfüllen zu müssen, dann wird die Hängematte auch zu einem sehr wichtigen Ort !
   
Juni
2016
 
Zum 20. Bildhauersymposium ging es thematisch um „Kinder und/oder Hoffnung“. Wobei sich mir die Frage stellt: Gibt es überhaupt ohne Kinder Hoffnung? Viele Gründe sind es, die ein NEIN als Antwort herausfordern. Einer davon steht im Text aus dem Markusevangelium und ein anderer war sehr eindrücklich beim Kinderprojekt auf dem Symposium zu erleben. Die nebenstehenden Fotos geben einen kleinen Einblick (mehr Fotos unter: jung-kempe.de/wordpress). Zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder sich an die phantasievolle Gestaltung der Steine gemacht haben, war sehr beeindruckend. Selbst die Schüler einer 8. Klasse, die in einem Alter sind, welches von uns oft als „schwierig“ wahrgenommen wird, haben 3 Stunden ganz intensiv an ihrem Objekt gearbeitet! Vielleicht geben wir ihnen nur zu selten die Gelegenheit, sich völlig frei ihrer Kreativität hinzugeben? Der Bildhauer Hardy Raub hat dies ermöglicht. Und es war toll zu erleben, wie schnell unter einer freundlichen und einander zugewandten Situation eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht. Das Ergebnis wird im Schlosspark als Skulptur zu besichtigen sein.
   
Mai
2016
 

Gibt es ein Leben ohne wirtschaftliche Interessen? Für uns kaum vorstellbar. Aber es gibt ein solches Leben tatsächlich. Es wird nicht vom Warentausch bestimmt, sondern vom Gabentausch. Mit materiellen Dingen sind die davon geprägten Menschen absolut nicht zu locken. In Amazonien lebt zB. ein solches Volk. Es nennt sich Hiaiti‘ihi – (die Aufrechten). Sie führen ein Leben ohne Zahl und Zeit. „Hüter der Glücksformel“ werden sie genannt, weil der erste Erforscher ihrer Lebensweise sie 2012 „Das glücklichste Volk“ nannte. Die Menschen dieses Volkes stellen das Unmittelbare in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Ihre Lebenssicht kennt keine Abstraktionen – keine Zahlen, keine Begriffe wie links und rechts. Auch keine Häuptlinge, Hierarchien, Rituale, weder Schwüre noch Schmuck. Und damit auch ua. keine Diskriminierung von Frauen oder Kindern. Sie gehören zu den wenigen nicht-mathematischen Völkern der Welt und erst rechnen heißt wirtschaften – in allen Lebensbereichen! nach einem Zeitungsartikel aus der taz

   
April
2016
 

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:
erstens durch Nachdenken, das ist der edelste;
zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste;
drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
Konfuzius (551-479 v. Chr.)

Oben stehender Text wird Konfuzius, einem chinesichem Philosophen zugeschrieben. Gelebt hat er vor 2500 Jahren. Den edlen Weg des Nachdenkens zu gehen und dabei klug zu werden – dieser Weg hat uns wahrlich viel Gutes eingebracht und unser Zusammenleben positiv verändert. Und Bitterkeit ist tatsächlich eine Erfahrung, die uns oft genug klug gemacht hat. Leider passiert es aber immer wieder, dass erfahrene Bitterkeit im Laufe der Zeit verdrängt oder ganz vergessen wird. So erleben wir in diesen Tagen, dass Verhaltensweisen und Denkmuster wieder aufbrechen, die uns in der Vergangenheit ins Elend gestürzt haben und von denen wir darum gehofft hatten, sie seien überwunden. Die Angst vor fremden Kulturen, anderen Lebensweisen und Religionen zB. nimmt derzeit wieder zu. Im Gegenzug allerdings auch das klug machende Nachdenken. Bleibt zu hoffen, dass immer mehr diesen uns edelnden Weg gehen, damit wir in der Zukunft von bitteren Erfahrungen verschont bleiben.

   
März
2016
 
Hilfsbereitschaft war das Thema des Vorstellungsgottesdienstes der Konfirmanden 2016. Ist Hilfsbereitschaft uns angeboren oder muss uns diese anerzogen werden – darüber hat eine Konfirmandin recherchiert und uns ihre Erkenntnisse vorgestellt. Für manche sicher überraschend – die Bereitschaft zur Hilfe ist uns tatsächlich in die Wiege gelegt. Wir können dies ja sehr schön an kleinen Kindern beobachten, die gern und sofort zu helfen bereit sind. Aber nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere, ja, sogar die Pflanzen stehen einander bei. Ohne diese Eigenschaft wäre das Überleben der jeweiligen Art gefährdet. Wenn wir anderen in Not beistehen, dann erfüllen wir sozusagen unser genetisches Programm. Daher auch das gute Gefühl, wenn wir hilfsbereit handeln. Nun sind wir Menschen in besonderer Weise befähigt, unser Tun zu reflektieren. Wir fühlen und wissen es zugleich, Hilfe zu leisten, tut wohl auch dem, der hilft. Und so ist es kein Zufall, dass nach wie vor die überwiegende Mehrheit der Menschen auch in unserem Land hilfsbereit ist. Ist das nicht gut für uns alle?! Schön, dass uns dies im Gottesdienst durch Konfirmanden in der Oesterbehringer Kirche zwei Wochen vor dem Osterfest bewusst gemacht wurde. Vielen Dank!
   
Februar
2016
 
Als ich mit der Gestaltung dieser Seite für das Bürger-Echo fertig war, musste ich feststellen: für den Gedankensplitter bleibt nicht mehr viel Platz! Ich muss mich also beschränken. Das fällt nicht leicht und klingt dazu so negativ. Aber stimmt dieses erste Empfinden? So bringt ein kurzer und knapper Text das Wesentliche besser zur Sprache, er wird verständlicher. //Fernsehkonsum zu beschränken, schenkt Zeit zur aktiven Lebensgestaltung. // Das Auto mal stehen lassen und zu laufen, produziert in uns Glückshormone // Vorfreude ist die schönste Freude – eine durch die Hirnforschung bewiesene alte Weisheit. Einige wenig Beispiele dafür, dass selbst gewählte und bewußte Beschränkung unser Leben reicher macht. Seit dem Aschermittwoch bietet uns die Fastenzeit Gelegenheit, nach solchen Erfahrungen im eigenen Leben zu suchen. Ich bin mir ganz sicher, wir alle können dies erleben. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Viel Erfolg !
   
Januar
2016
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Eines Tages kam ein Bekannter zum griechischen Philosophen Sokrates gelaufen. „Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, wie dein Freund….“ „Halt ein“ unterbrach ihn der Philosoph. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche?“ fragte der andere verwundert. „Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft ob es auch wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und…“ „Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“ Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil…..“ „Nun“, unterbrach ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“ „Notwendig gerade nicht….“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“

   
Dezember
2015
 
Im letzten Bürger-Echo gab es beim Druck unserer Kirchenseite eine technische Panne. Durch ein Versehen wurden die Fotos aus der vorletzten Ausgabe über den Text und die Fotos der Konzert-Rückschau gedruckt. Für die Chormitglieder, die den Artikel gespannt erwartet hatten, sicher ein Ärgernis. Die Enttäuschung darüber war zu spüren. So verständlich diese ist, aber ist es andererseits nicht völlig normal, dass wir Menschen in unserem Handeln auch Fehler machen? Im konkreten Fall war es nur eine kleine Enttäuschung. Aber wie oft erlebe ich es, dass von anderen verlangt wird, immer alles zu 100 Prozent perfekt zu machen und wehe, dem ist nicht so…… So schaffen wir mit unseren überzogenen Erwartungen ein sehr unfreundliches Klima.
In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Wir lassen uns von einem kleinen Kind anrühren. Ein Kind hat keine Erwartungen außer denen, Zuwendung, Zuspruch und Behütung zu erfahren. Davon kann es nicht genug bekommen, alles andere ist nicht so wichtig. Auch wir Erwachsene fühlen im Grunde genau so. Wenn wir jetzt mitten in den Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest stecken, sollten wir uns dessen besinnen
   
November
2015
 

Rückt ein so entsetzliches Geschehen wie die Anschläge in Paris in unsere Nähe und könnte also auch uns treffen, dann macht uns das Angst. Diese wiederum läßt in uns auch Gefühle und Gedanken aufkommen, die zwar verständlich sind, aber zu einer guten Lösung nichts beitragen. Verwünschungen und Hassgefühle sind nun einmal keine guten Berater. Ganz im Gegenteil. Für wirklich geeignete Lösungsansätze wird uns nichts anderes bleiben, als alle Rachegedanken wegzuschieben und ernsthaft über die Ursachen der zunehmenden Gewalt nachzudenken. Viele davon haben wir jahrzehntelang ignoriert. Gewiß, dies fällt nicht leicht. Aber was bleibt uns, wenn wir uns allein vor Augen halten, dass wir völlig machtlos sind gegenüber Menschen, die bereit sind, für Ihre Überzeugungen zu sterben? Was müssen Menschen erleben und welche Lebensumstände tragen dazu bei, so zu handeln und sinnlos Angst und Schrecken zu verbreiten? Von unserem Wesen her sind wir Menschen nicht so. Für einen Weg zum Frieden bleibt für uns die Herausforderung, uns von unserer Angst nicht lähmen und nicht zu Hass verleiten zu lassen

   
Oktober
2015
 
IMit Ihren Erntedankgaben haben wir auch dieses Jahr wieder die Tafel in Bad Langensalza unterstützt. Im Namen aller Menschen, welche auf die Tafel angewiesen sind, darf ich den Dank dieser Einrichtung an alle Spender weitergeben.
Die alltäglichen Sorgen dieser Menschen sind leider eine bittere Seite unserer Gesellschaft. Dazu kommen die vielen Menschen, die derzeit in unserem Land nach Zuflucht und Hilfe suchen. Sie haben allen Anspruch darauf, unterstützt zu werden. Aber es bleibt auch ganz wichtig, die Not aller hier lebenden Menschen wahrzunehmen und zu helfen. Es darf nicht passieren, dass die Nöte und Sorgen von Menschen gegenseitig aufgerechnet oder gar ausgespielt werden. Albert Einstein hatte eine Haltung, die grundsätzlich solches Denken verhindert. Für ihn zählte nicht die Gruppe, das Volk, die Religionsgemeinschaft, sondern allein der Mensch. Ihn als Individium wahrnehmen, mit ihm konkret die Ängste, Sorgen, freilich auch die Freude zu teilen, hatte für ihn oberste Priorität
So haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, die Erntedankgaben, wie in den Jahren zuvor, der Tafel zur Verfügung zu stellen.
   
September
2015
 
Was meinen Sie, denkt und empfindet die Mehrheit unserer Bevölkerung? Bekommen wir eine richtige Antwort, wenn wir nach der überwiegenden Haltung unseres überschaubaren Bekanntenkreises fragen? Oder im Fernsehen die Tagesschau oder die vielen Talksendungen anschauen? Vor wenigen Wochen noch konnten wir da den Eindruck gewinnen, eine Mehrheit ist rechtsnational und fremdenfeindlich eingestellt. Derzeit vermitteln die Medien ein Bild großer Empathie und Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen. Ein freundlicheres Bild gewiss. Aber auch wenn die öffentlichen Medien niemand direkt steuert, bleibt für mich ein Fragezeichen nach der Stimmigkeit und Vollständigkeit der verbreiteten Informationen in den Medien. Zu komplex und vielfältig ist unsere Gegenwart. Und so kommt es, dass sehr viele neue Entwicklungen, die schon vorhanden, aber noch nicht direkt spürbar sind, nur mit gezielter Suche gefunden werden. Haben Sie zB. gewusst, dass nach einer Umfrage sich fast 90% der Deutschen eine ökosoziale „Neue Wirtschaftsordnung“ wünschen? Eine daraufhin erfolgte repräsentative Nachfrage des Bundesumweltministeriums ergab, dass das „Bruttonationalglück“ von 67 % als oberstes Ziel der Wirtschafts- und Sozialpolitik gewünscht wird. Sind solche Zahlen nicht anspornend, das vermittelte Bild der Gegenwart zu hinterfragen und hoffnungsvoll Neues zu denken und zu versuchen, es umzusetzen?
   
August
2015
 
Wir Menschen sind von unserer evolutionären Entwicklung her absolute Bewegungswesen. Um an Nahrung zu kommen, mussten unsere Vorfahren oft stundenlang unterwegs sein. Auch wenn dies lange her ist, unsere Körper funktionieren immer noch in der gleichen Weise – wir brauchen Bewegung! Man spürt es daran, wie gut uns Sport tut – körperlich wie seelisch. Vielleicht nicht unbedingt der Leistungssport. Sondern dann,wenn wir uns völlig frei von jeglichen Ehrgeiz und Leistungsdenken bewegen. Unterwegs sein, ohne Musik, allein mit sich selbst, seinen Gedanken und Empfindungen. Der Körper findet von allein sein Tempo. Die Gedanken werden frei. Ganz oft kommen dann Ideen und Lösungen, so manche Predigt habe ich im Laufen entwickelt. Aber nicht nur der Kopf wird frei und offen für kreative Gedanken. Auch der Seele tut es gut, wenn wir uns intensiv bewegen. Das kann soweit gehen, dass selbst schmerzhafte und unangenehme Erlebnisse bei körperlicher Betätigung besser bedacht und verarbeiten werden können. Woran mag dies liegen? Ganz offensichtlich tut uns Aktivität in vielfacher Hinsicht gut. Sie entspricht unserer Natur. Es ist auch mal ganz schön, sich durch Medien berieseln zu lassen und so mal abzuschalten. Aber eigenes aktives Leben befriedigt tiefer und nachhaltiger. So zumindest erlebe ich es immer wieder. Auch die Idee zu diesem Gedankensplitter kam mir beim Joggen.
   
Juli
2015
 
Schnell kommt es im Alltag vor, dass ein Streit eskaliert und Ärger und Missstimmung zur Folge hat. Nicht selten leiden alle Beteiligten darunter und oft dauert es sehr lange, bis der Ärger verflogen ist. Streit, Auseinandersetzungen sowie unterschiedliche Meinungen werden sich allerdings niemals verhindern lassen. Ganz im Gegenteil – Streit ist wichtig, um Klarheit zu gewinnen. Wie aber streiten, dass es nicht zu Kränkung kommt? Dazu gibt es verschiedene Wege und Rituale und lebenskluge Menschen lassen sich darauf ein und nutzen diese. Eine sehr wirkungsvolle Lösung, Streit versöhnlich ausgehen zu lassen, habe ich neulich in einer Familie erleben dürfen. Anstelle endlos zu schimpfen, zu drohen und zu maßregeln, wird das Kind in den Arm genommen, gedrückt, geherzt, bis sich ein befreiendes Lachen auf beiden Seiten einstellt. Sicher funktioniert dieser direkte Weg nicht immer und unter allen Umständen. Aber mit viel Phantasie abgewandelt und umgesetzt, dürfte er ganz oft funktionieren, auch unter Erwachsenen und auch außerhalb von Familienmitgliedern. Selig sind die Friedfertigen – in seiner Bergpredigt ermutigt Jesus die Menschen zu solch einer Lebenshaltung. Das ist keine utopische Hoffnung, sondern deckt sich doch zum großen Teil mit unseren Sehnsüchten, die wir leider im Streit zu oft ignorieren. Warum es also nicht auch mal mit der Lösung versuchen, die sich in einer Familie sehr oft bewährt? Es kostet vielleicht zunächst ein wenig Überwindung, ich aber kann bezeugen, dass er in seiner Wirkung großartig ist.
   
Juni
2015
 
IDiesmal in Form einer Fabel: Es war einmal … ein Wettlauf der Frösche. Das Ziel war es, auf den höchsten Punkt eines grossen Turms zu gelangen. Es versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen und ihre Artgenossen anzufeuern. Der Wettlauf begann. In Wirklichkeit aber glaubte keiner von den Zuschauern daran, dass auch nur ein Frosch auf die Spitze des Turmes gelangen könnte, und alles, was man hörte, waren Sätze wie: „Die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ Und so kam es auch, ein Frosch nach dem anderen gab auf. Und die Zuschauer fuhren fort zu sagen: „Die Armen! Keiner wird es schaffen!“ Tatsächlich scheiterten immer mehr Frösche an ihrem Vorhaben. Schlussendlich hatten alle Frösche ihr Ziel aufgegeben. Nur ein Frosch, scheinbar ein Dickschädel, hatte ganz alleine und unter grosser Anstrengung die Spitze des Turmes erreicht. Die anderen wollten nun von ihm wissen, was ihn zu dieser außerordentlichen Leistung befähigt habe. Einer der anderen Frösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Da merkten sie, dass er taub war! Sei Dir also stets der Kraft bewusst, die Worte haben, die Du hörst oder liest. Sei immer taub, wenn jemand Dir sagt, Du könntest deine Träume nicht verwirklichen. Solche Worte stehlen Dir die Hoffnungen und Sehnsüchte Deines Herzens!
   
Mai
2015
 

Im Juni werden 7 Künstler im Schlosspark an ihren Skulpturen arbeiten – dieses Jahr zum Thema „Durchblick“. Zeitgleich wird im Schlosshotel eine Fotoausstellung zu sehen sein. Kunst, gleich welcher Art, ist ein kreativer Prozeß der Auseinandersetzung mit der Gegenwart und dem Ziel, „Durchblick“ zu gewinnen und andere Menschen daran teilnehmen zu lassen. Dies kann in einem großen Rahmen wie zum Bildhauersymposium oder der Präsentation in einer Ausstellung geschehen. Aber Kunst sollte nicht nur so „groß“ gedacht werden. Kunst ist alles, was als Ergebnis bewußter und schöpferischer Beschäftigung mit dem Leben entsteht. Dies ist auch im Kleinen möglich und wichtig – im Kreis der Familie, der Freunde oder auch nur für sich selber. Kunst in diesem Sinn ist ja eigentlich Grundbedürfnis aller Menschen, ein Akt des Schaffens und des Veränderns unserer Umwelt. So verstanden können und sollten wir alle Künstler sein – Lebenskünstler für eine Welt, in der wir Durchblicken und in der es sich deshalb gut leben lässt.

   
April
2015
 

Ich bin unterwegs, da klingelt mein Handy. Kerstin Werthmann ruft an: „Uwe, letzte Woche war der Abgabetermin für das Bürger-Echo“. Dass die 4 Wochen schon wieder vorbei waren, das konnte doch nicht sein. Aber es war so. Und wie gut ist es, wenn dann jemand darauf aufmerksam macht und nicht denkt: „ist ja nicht mein Problem“ Danke dafür, Kerstin. Also nun völlig unvorbereitet und unter Zeitdruck Gedanken sammeln, schriftlich formulieren und die Seite gestalten. Wieder einmal wird mir bewußt, dass wir immer wieder Phasen des Abstandes und Nachdenkens brauchen, um auf unser Leben, Denken und Tun zu schauen. Ob Beruf, Partnerschaft, Freundschaften, Freizeit, Hobby – Zeiten des Insichgehens, des scheinbaren Müßigangs sind nötig, um nicht automatisch im Leerlauf zu funktionieren. Dafür ist unser Leben viel zu wunderbar. Es ist diese aktiv gelebte (scheinbare!) Faulheit, die zur Erfahrung führt, wie schön unser Leben doch ist.

   
März
2015
 
EDas Leben auf dem Dorf zeichnet sich durch große Nähe aus. Man kennt sich und weiß umeinander. Dies kann sehr schön sein, weil es dem menschlichen Grundbedürfnis entspricht, wahrgenommen zu werden. Allerdings ist damit eine besondere Verantwortung verbunden. Wir müssen sehr sorgsam sein mit dem, was wir untereinander erzählen und weitergeben. So kann gedankenlos oder auch nur so leichthin Ausgesprochenes eine sehr unschöne Wirkung haben. Vermutungen zB. können sehr schnell zu Tatsachen und Gewissheiten werden. Menschen geraden dann völlig grundlos an den Pranger und die Gemeinschaft ist vergiftet. Dies dann zu bereinigen, ist oft sehr schwierig.
Viel einfacher ist es dagegen, nur das weiterzugeben, was ich selber ganz eindeutig gesehen habe. Und selbst dann stellt sich die Frage: Ist es wirklich gut, dass jetzt ins Dorfgespräch zu bringen? Ist es nicht besser, unter vier Augen zu klären, was mich bedrückt? Nur so wird die Nähe des Dorfes wirklich ein für uns alle gutes Lebensumfeld.
   
Februar
2015
 
Wolfgang Zott schrieb in seinem Gedankensplitter auch vom Acker, den es zu bestellen gilt. Ein schöner Gedanke. Er hat mich angeregt, ihn in Bezug auf den „Lebensacker“ weiterzudenken. Wenn wir auf dem Lebensacker säen, dann gilt die menschliche Urerfahrung, dass es keinen 100% Ertrag gibt, nicht alles aufgeht. Es ist völlig normal, dass nicht alle Bemühungen zum angestrebten Ziel führen. Und dennoch sind diese Anstrengungen nicht umsonst, auch sie sind Teil unseres Lebensreichtums. Wir werden menschlich ärmer, wenn wir unser Leben nur nach Effektivität optimieren und bewerten. Solche Versuche erzeugen Hektik, Unzufriedenheit und führen nicht selten zu menschlicher Härte – sich selbst wie auch anderen gegenüber. Die im Beitrag zur Fastenzeit stehende Meditation will uns ermutigen, in Gelassenheit den Lebensacker zu bestellen und uns neugierig auf neue Lebenswege einzulassen.
Übrigens heißt eine Skulptur in der Nähe von Heßwinkel „Anderer Weg“ – er führt uns weg vom vorgegeben Weg.
   
Januar
2015
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Gedankensplitter geschrieben von Wolfgang Zott:
Die Weihnachtszeit mit all ihrem Trubel und vor allem mit ihrer Besinnlichkeit liegt schon weit hinter uns. Liebevoll haben wir alle möglichen Menschen bedacht, die uns mehr oder weniger nahestehen. Nun aber stehen wir am Beginn des neuen Jahres und jeder richtet sich darauf ein, seinen eigenen Acker zu bestellen – im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn. Dabei wird mir bewusst, das es leider gar zu viele Menschen gibt, die einfach gar nichts zu bestellen haben. Vielleicht hatten sie sogar einst einen richtigen Acker, von dem sie fliehen mussten, vielleicht war auch die Hoffnung auf ein sicheres Leben ihr einziger Besitz. Wenn wir mit Freude und Elan an die Gestaltung des vor uns liegenden Jahres gehen, sollten wir vielleicht auch für diese Menschen mehr als nur ein Schulterzucken übrighaben. Vielleicht sind ja noch ein paar freundliche Gedanken aus der Weihnachtszeit übrig?

   
Dezember
2014
 
Wie haben Sie die Adventszeit verbracht? Im sogenannten vorweihnachtlichen Streß mit Weihnachtsfeiern, Shopping und diversen weihnachtliche Vorbereitungen? Oder haben Sie eher Stille, Nachdenklichkeit, Besinnung gesucht?
Am 2. Adventssonntag war ich mit den Konfirmanden im Dialogmuseum in Frankfurt. Dort wurden wir 90 Minuten von einem blinden Menschen im Dunkeln durch verschiedene nachgestellte Lebenssituationen geführt. Wir waren in der absoluten Finsternis ausschließlich auf einander Hören und verbale Kommunikation angewiesen. Ein sehr eindrückliches Erlebnis. Anschließend besuchten wir den Weihnachtsmarkt. Gedränge, Lichterflut, sinnliche Reize in großer Zahl. Wir erlebten zwei gegensätzliche Erfahrungen an einem einzigen Tag.
So im Nachspüren auf diesen Tag wurde mir dann deutlich, dass beide Erlebnisse sich trotz ihrer Gegensätzlichkeit in mir sehr eindrücklich eingeprägt haben. Oder vielleicht gerade deswegen? Auch die Adventszeit kann eben ganz unterschiedlich begangen werden. Diese Vielfalt macht erst ihren Reiz aus und sollte auch so angenommen und gelebt werden. Eigentlich eine Binsenweisheit für fast alle Lebensbereiche. Und dennoch war ich froh, dies wieder einmal so bewusst erfahren zu haben.
   
November
2014
 
Ein Abend mit jüdischen Liedern in der Burgmühle Haina, exzellent vorgetragen. Die Texte dieser Lieder erzählen von Freud und Leid des Lebens. Einige der vorgetragenen Lieder sind voller Hochgefühl, in anderen ist Traurigkeit, in manchen sogar Bitterkeit zu spüren. Es wird erzählt von Erfolgen, aber auch von dem, was schief gegangen ist.
Die Lieder besingen in großer Ehrlichkeit und Ehrfurcht das Leben in seiner ganzen Breite. Beeindruckend die in den Liedern zu spürende Selbstverständlichkeit, mit der Hohes und Tiefes und die vielen Schattierungen dazwischen akzeptiert und angenommen werden.
In einem Weisheitsspruch heißt es sinngemäß: Ich möchte stark sein, das zu ändern, was ich ändern kann. Ich möchte die Gelassenheit erlangen, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann. Und ich möchte die Weisheit erlangen, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.
Ist die Zeit des Advent nicht eine gute Gelegenheit, über diese Weisheit nachzudenken und zu meditieren, damit aus dem „ich möchte“ ein „ich kann“ oder wenigstens „ich kann immer öfter“ wird? Gut täte es uns.
   
Oktober
2014
 
In einem Bericht über die Arbeit auf Yachten von Superreichen erzählt einer der dort Beschäftigten: Manchmal gehst du übers Deck und siehst die Gäste ganz betreten ihren Champagner trinken. Dann schaust du zum Ufer, da sitzen ein paar Typen mit Bierdosen, die zusammen angeln. Und du fragst dich: wer ist hier glücklicher? Hinter dieser Frage steht die Erkenntnis: unser Wohlstand steht sehr oft im Widerspruch zur Freiheit.
Vor 25 Jahren fiel die uns einengende Mauer. Die großartige Freiheit der Wendezeit mit ihren vielen Möglichkeiten wurde dann aber sehr schnell dem Streben nach Wohlstand geopfert. Warum fasziniert uns der Wohlstand so oft viel mehr als Freiheit? Stand und steht vielleicht die Angst dahinter, sonst zu wenig (Lebens)Glanz zu verbreiten? Aber mahnt nicht schon eine alte Weisheit vor trügerischem Glanz: „Sammelt nicht Schätze, die von Motten gefressen werden. Sammelt Schätze, die kein Rost fressen kann und die keine Diebe stehlen können. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Und das Märchen vom Hans im Glück erzählt, dass Hans erst richtig glücklich wird, als er allen Besitz los und frei geworden ist. Aber so ganz und gar ohne jeden Besitz? Und wo liegt dann die rechte Balance zwischen Wohlstand und Freiheit?
   
September
2014
 
„Wenn wir brav sind, das verspricht man uns, werden wir alle dieselben Bilder sehen und dieselben Töne hören und dieselben Kleider tragen und dieselben Hamburger essen und in derselben Einsamkeit einsam sein, in gleichen Häusern gleicher Stadtviertel gleicher Städte, wo wir denselben Müll atmen und unseren Autos mit derselben Ergebenheit dienen, und wir gehorchen den Befehlen derselben Maschinen in einer Welt, die herrlich sein wird für alles, was keine Beine und Füße und Flügel und Wurzeln besitzt.“
Dieser Text von Eduard Galeano (uruguayischer Journalist, Essayist und Schriftsteller) aus seinem Buch: „Die Füße nach oben. Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt“ begegnete mir während meines Urlaubs und er hat mich vom ersten Lesen an nicht mehr losgelassen. Ich gebe ihn hier an dieser Stelle weiter in der Hoffnung, dass er nicht nur mich fasziniert und nicht nur mich tief bewegt. Zweierlei nur möchte ich hier dazu weitergeben: doch mal darüber nachzudenken, ob wir nicht zu oft zu brav sind. Und ich möchte gleich hier zum Ungehorsam gegenüber dem Konsumwahn ermutigen: Dieses Buch teile ich gern mit denen, die es lesen möchten.
   
August
2014
 
Sich auf das Wesentliche zu beschränken, ist keine leichte Aufgabe. Wie zum Beispiel beim Verfassen des Gedankensplitters. „Na, so ein paar Zeilen sind doch fix geschrieben“ mag da so mancher denken. Aber: Gedanken lang und breit auszuwalzen ist sehr viel einfacher, als die Dinge auf den Punkt zu bringen. Dies verlangt viel Mühe und Aufmerksamkeit. Herausforderungen, denen wir uns gern entziehen. Darin liegt gewiss eine der Ursachen, warum das Auffällige und groß Scheinende uns sehr oft mehr fasziniert und bewegt, als ihm von seiner Bedeutung für unser Leben her zustehen sollte. Dabei ist all das, was unserem Leben Tiefe und Schönheit gibt, meist eher unscheinbar und erschließt sich uns erst durch intensive und achtsame Wahrnehmung. Ganz besonders bewusst ist dies mir in den vielen Trauergesprächen geworden, die ich in den Vorbereitungen auf Abschiedsgottesdienste zu führen hatte. In diesen besonderen Situationen unseres Lebens sind wir Menschen sehr sensibel für das, was wahrhaftig und lebensbestimmend ist. Ob ich mit meinem Leben zufrieden bin, entscheidet sich auch mit daran, das oft unscheinbar Schlichte bewusst wahrnehmen zu können. Es muss ja nicht immer erst der Tod eines Menschen sein, der uns daran erinnert.
   
Juli
2014
 
Am Freitag, dem 18. Juli wurden im Schloßpark Behringen 6 Skulpturen des Bildhauers Harald Stieding aus Bad Langensalza eingeweiht, die er als Vorlass übergeben hat. Eine davon stellt Kain & Abel dar. Auf dem Foto links ist davon Kain zu sehen. Er trommelt mit den Fäusten gegen seine Brust, Ausdruck tiefer Verzweiflung. Aus Neid hat er seinen Bruder Abel erschlagen. Er hat sich zu einer Tat hinreißen lassen, mit der er nun nicht fertig wird. Solche Gewalt überfordert uns, denn sie entspricht nicht unserem Grundwesen. Und dennoch geschieht sie immer wieder! Einer der Gründe dafür ist, dass wir uns zuwenig Zeit nehmen für uns selber, gar nicht oder zuwenig auf unsere innere Stimme hören. Dazu braucht es Muße, Besinnung, Ruhe. „Einen Tag in der Woche sollst Du und überhaupt alles ruhen“ heißt es in einem alten Gebot. Jahrhunderte langes Nachdenken über Grundbedingungen des Lebens haben Menschen schließlich diese Erkenntnis niederschreiben lassen. Diese zu mißachten geht lange Zeit scheinbar sehr gut. Aber irgendwann kommt der zerstörende Schlag. Kain hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Verzweifelt darüber hängt er wie ein Gekreuzigter in der Luft. Nur - er hat sich selbst gekreuzigt. Und - bis heute lebt er weiter.....
   
Juni
2014
 
Im Berliner Stadtteil Wedding sitze ich gern in einem schlichten Cafe, welches von türkischen Menschen betrieben wird. Manche der Frauen, die dort arbeiten, tragen Kopftücher, andere nicht. Was sie eint, ist die natürliche Freundlichkeit, mit der sie den Gästen begegnen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und friedlich. Wohl deshalb sind die Gäste nicht nur Landsleute der Betreiber. In diesem Cafe überkommt mich immer die Ahnung, wie schön das Leben sein könnte, wenn unser Miteinander überall so selbstverständlich von Toleranz und Schlichtheit geprägt wäre. Welche positive Kraft hier wirkt, wurde mir einmal sehr eindrücklich bewusst. Im Cafe sitzend las ich in der Zeitung, was zwei 90-jährige Überlebende des Holocaust auf einer deutschen Behörde erfahren haben. Die beiden leben nur deshalb noch, weil Großbritannien sie als Kinder unbürokratisch aufgenommen hat. Mit ihrer Lebensgeschichte wollten sie die Beamten davon überzeugen, sich mehr für syrische Kinder einzusetzen.
Abgespeist wurden sie mit leeren Phrasen. Das friedliche Miteinander um mich herum verhinderte, dass in mir sinnlose Wut aufkam. Wie eine friedliche Zukunft erreicht werden kann - an Orten wie in diesem Cafe ist es vielfältig mit Händen zu greifen.
   
Mai
2014
 
Wir haben Ende Mai, die Rapsfelder haben in den vergangenen Wochen sonnig geleuchtet. Unsere Blicke wurden davon angezogen. Den Bienen ergeht es ähnlich: in großer Zahl fliegen sie in die Rapsfelder, um dort Nektar einzusammeln. Leider sammeln sie dabei auch den von Menschen gesprühten Giftcocktail mit ein. Ähnlich verfahren wir auch in unseren privaten Gärten. Gifte, zwar erlaubt und zugelassen, gefährden die Bienen und viele andere Lebewesen. Auch im Grundwasser, Quelle für unser Trinkwasser, sind die versprühten Gifte teilweise schon vorhanden. In das Abwasser und damit irgendwann in das Grundwasser, gelangt auch das Wasser, dem wir diverse Reinigungsmittel zugefügt haben, um damit (besonders im Frühling) unsere Häuser und Wohnungen auf Hochglanz zu polieren. Dieser Glanz unserer Wohnstätten wie auch das leuchtende Gelb der Felder - Schönheiten, die Verderben bringen.
Um Reinheit auf dem Feld und im Garten wie auch in der Wohnung zu erhalten, zerstören wir Lebensvielfalt. Leben braucht aber Vielfalt. Wir Menschen sind ein Teil dieser Vielfalt und von ihr abhängig. Und nur mit ihr sind wir wirklich schön.
   
April
2014
 

Ab Ostern wird es in Craula etwas Neues geben. An jedem Sonntag wird die Kirche tagsüber geöffnet sein. Damit wollen wir schon lange spürbare Veränderungen der Sonntagsgestaltung aufgreifen. Anpassungen an neue Bedingungen sind seit Menschengedenken wichtiger Teil unseres Daseins. Neu sind die zum Teil radikalen Veränderungen fast aller Lebensbereiche in den letzten Jahrzehnten. Darauf können wir ganz unterschiedlich reagieren. Man kann am Überkommenen festhalten und den „Verfall“ beklagen, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Oder man versucht, die Veränderungen bewusst mitzugestalten. Dazu gehört das Nachdenken, warum das Gewohnte nicht mehr gelebt wird, ob es einen bewahrenswerten Kern gibt und, falls ja, wie dieser heute gelebt werden kann. Freilich ist die Umsetzung nicht leicht. Je länger eine Tradition bestand und je größer das, was aufgegeben werden muss, desto schwerer fällt uns der Mut zu Neuem.
Von Hermann Hesse stammt die Ermutigung: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“. Ist dies nicht eine wunderbare Verheißung? Lasst uns doch diesen Zauber miteinander suchen.

   
März
2014
 
Es ist nicht die große Masse, aber es sind doch erstaunlich viele Menschen, die jetzt in dieser Zeit fasten. Ich meine dabei jene, die nicht nur auf Alkohol, Rauchen, Fleisch oder Kuchen verzichten, sondern für einige Tage überhaupt keine feste Nahrung zu sich nehmen. Religiös motiviert ist ihr Tun eher selten, aber es fällt in die sogenannte kirchliche Fastenzeit. Dieser Begriff mag mit zum Fassten anregen, aber ich denke, es steckt mehr dahinter. Warum fasten diese Menschen? Sie wollen entschlacken und abnehmen, aber auch wieder entdecken, „wie gut doch ein Apfel schmeckt“ (Zitat). Warum gerade jetzt am Anfang des Frühlings? Spüren all diese Menschen, dass sie zuviel konsumiert haben und der dabei angelegte Ballast sie nun hindert, der erwachenden Natur aktiv und fit genug begegnen zu können? Ständig vorhandenes Überangebot ist eine große Verlockung, damit umzugehen nicht leicht. Die Erfahrung des Fastens aber zeigt den Menschen, dass bewusstes Verzichten nicht Verlust bedeutet, sondern im Gegenteil Gewinn bringt - ein Mehr an Fitness, Beweglichkeit, Freude, Genussfähigkeit. Weniger konsumieren, um mehr vom Leben zu haben, dieser Wunsch steckt meist hinter dem strengen Fasten. Übrigens: die Fastenzeit geht noch drei Wochen.
   
Februar
2014
 
Seit dem 9. Februar gibt es im Schlosshotel Behringen einen Raum der Besinnung. In einem von viel Live-Musik geprägten Gottesdienst haben wir diesen Raum eingeweiht. Am darauf folgenden Tag stand in der TLZ für Eisenach unter der Überschrift „Raum der Besinnung offen“ ein kurzer Bericht dazu. Und in Großbuchstaben stand über der Überschrift DIE GUTE NACHRICHT. Daneben standen auf dieser Zeitungsseite: vier Meldungen über Unfälle bzw. Einbrüche, ein kritischer Kommentar über eine Stadtratssitzung und eine politische Reportage. Gute Nachrichten sind also nicht in der Mehrzahl, aber es gibt sie. Man darf nur nicht bei all den schlechten Nachrichten hängen bleiben, um dann zu resümieren: die Welt ist nur noch schlecht. Nein, es gibt sie noch, die guten Nachrichten.
Die Einweihung des Raum der Besinnung im Schlosshotel sollte nun nicht nur die Grundlage einer guten Zeitungsnachricht bleiben. Dieser Raum wurde gemeinsam vom Schlosshotel und der Kirchgemeinde geschaffen, um unbeeinflusst von Äußerlichkeiten zur Ruhe zu kommen, sich auf die guten Kräfte in uns zu besinnen und diese zu aktivieren. Und wer weiß: so werden vielleicht öfters mehr als nur eine gute Nachricht auf der Zeitungsseite zu lesen sein.
   
Januar
2014
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Eine Stunde noch bis zum Beginn des Krippenspiels. Noch ist die Kirche leer, nur wenige sind da, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Ich verlasse die Kirche, um was zu holen und stelle fest: draußen ist es wesentlich wärmer als in der Kirche. Diese füllt sich nach und nach, das Krippenspiel beginnt und wir sehen die umherirrende Familie, die schließlich in einem Stall Platz findet. Einen besonderen Geist müssen die Menschen damals verspürt haben - es kommen Arme und Reiche, Rechtlose und Mächtige herbei. Sie knien vor dem Kind in der Krippe und feiern die Erkenntnis: menschliche Größe liegt jenseits von Macht und Reichtum. Wir alle lassen uns davon anstecken und singen fröhlich: O du gnadenbringende Weihnachtszeit. Und ebenso gestimmt verlassen wir die Kirche. Aber etwas ist anders: draußen ist es auf einmal kälter als in der Kirche. Ich schaue auf das Thermometer - die Außentemperatur hat sich nicht geändert. Die vielen Menschen haben die Kirche aufgeheizt. Aber es herrschte keine aufgeheizte Stimmung, sondern im Gegenteil eine ganz friedliche. Wo viele Menschen sich in einem von Frieden und Hoffnung geprägten Geist zusammenfinden, da wird es warm unter uns. Wir alle haben es erlebt am Heiligabend 2013.
   
Dezember
2013
 
Das Weihnachtsfest ist nicht mehr fern. Vielfältig sind die Impulse, die von diesem Fest ausgehen können. Weihnachten ist ja das Fest der Begegnung mit einem Kind, welche uns zur Hochachtung und Erhabenheit dem Leben gegenüber führen möchte. Was für Möglichkeiten haben wir, uns im Alltag zu begegnen?
Neulich war ich für ein Wochenende in der Schweiz. Ich kam am späten Samstagabend in einer nicht sehr großen Stadt an. Der Bahnhof hatte viele Bahnsteige, in kurzer Folge kamen Züge, die alle sehr gut besetzt waren. Vor dem Bahnhofsgebäude ein Platz mit mehreren Bus-Haltestellen, auch hier ständige An- und Abfahrten. Bahn und Bus nicht nur als umweltfreundliche Fortbewegungsart, sondern auch als Chance, andere Menschen treffen zu können, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ganz anders dagegen die Fahrt mit dem Auto. Dort sitzen wir meist einsam und allein. Meine Anregung: das Weihnachtsfest zum Impuls werden zu lassen, öfters über die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nachzudenken! Und wenn wir diese reichlich nutzen, dann werden Zug und Bus auch bei uns häufiger fahren. So wie in der Schweiz. Mit uns als Fahrgäste, die dabei Zeit und Muße zum Gespräch haben.
   
November
2013
 
Neulich berichtete eine Frau folgende Begebenheit: Ich erzählte meinem Schuster von einer großen Reise, die ich demnächst antreten werde. Daraufhin bat er mich, ein Souvenir für ihn mitzubringen. Als ich nun zurück kam, fragte er mich: „Und, hast Du an ein Geschenk für mich gedacht?“ Ja, sagte ich - hier ist es. Und reichte ihm meine abgelaufenen Schuhe zum Besohlen.
Wie würden Sie darauf reagieren? Anstelle eines mitgebrachten Andenkens bekommen Sie was zu tun! Ärgerlich? Aber was hat die Frau dem Schuhmacher geschenkt mit dem Auftrag zum Besohlen ihrer Schuhe? Ganz viel. Sie hat ihm die Möglichkeit gegeben, sich mit seinen Gaben und Talenten nützlich machen zu können. Sie hat ihm Eigenes anvertraut und ihm handwerkliches Geschick und verantwortlichen Umgang damit zugetraut. Ohne den Mann wären die Schuhe unbesohlt und unbrauchbar geblieben. Nutzlose Gegenstände, nur noch zum Wegwerfen geeignet. Die Schuhe zum Schuhmacher hinbringen und abholen, miteinander sprechen, das ist Begegnung und Kommunikation. Beides sind wichtige menschliche Bedürfnisse.
So Wertschätzung und Achtsamkeit zu erfahren - ist dies nicht das größte Andenken, mit dem wir Menschen uns beschenken können?
   
Oktober
2013
 
Im Oktober haben wir neue Gemeindekirchenräte gewählt. Menschen also, die bereit sind, in ihrer Freizeit Verantwortung zu übernehmen, Zeit und Energie aufzuwenden. Solche Bereitschaft ist wichtig für alle gesellschaftliche Bereiche. Warum ist es manchmal so schwierig, Menschen dafür zu gewinnen? Ein Aspekt ist meiner Beobachtung nach, dass wir diese Menschen gnadenlos in Anspruch nehmen und ihnen kaum eine Chance geben, auch mal „nein“ sagen zu können.
Ich erlebe diesen gedankenlosen Umgang mit der Lebenszeit anderer Menschen leider sehr oft. Ein Beispiel der letzten Tage: zu einem vereinbarten Treffen fehlt die Hälfte, der Leiter fragt, ob er am Tag davor noch einmal per Email daran erinnern soll und alle nicken. Ich habe widersprochen. Ist nicht jeder selber für die Einhaltung von Verabredungen verantwortlich? Und ebenso dafür, im Vorfeld ehrlich zu sagen, wenn man ein Treffen für nicht nötig erachtet? Viele weitere Beispiele ließen sich jetzt hier aufzählen. Die Lebenszeit ist unser kostbarstes Gut und der achtsame Umgang auch mit der Lebenszeit anderer eine Grundforderung. Dann lassen sich vielleicht auch mehr Menschen mit Freude in die Verantwortung nehmen.
   
September
2013
 
Seit April 2012 erscheint jeden Monat im Bürger-Echo dieser bewußt kurz gehaltene Text. Ein Gedankensplitter eben. Viele positive Reaktionen darauf bestätigen eine wesentliche Erfahrung unserer menschlichen Existenz: es sind vor allem die kleinen Begebenheiten und Erlebnisse, die unser Leben bestimmen und prägen. Ein Religionsphilosph hat dies so ausgedrückt: „Die leisen Kräfte sind es, die das Leben tragen“. Scheinbare Kleinigkeiten, die aber für unser Leben so klein gar nicht sind. Sind wir uns nun dessen immer auch bewußt? Denn sicher geht es nicht nur mir so, dass mein Verstand vor allem das Bedeutende und Großartige wahrnimmt und sich davon faszienieren läßt. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn wir dabei auch auf die unser Dasein prägenden leisen Kräfte achten. Dazu habe ich ein sehr eindrückliches Achtungszeichen entdeckt: „Stille macht sichtbar, was Lärm verschweigt“. Wobei Lärm nicht nur von hörbarer Art ist!
Jetzt im Herbst beginnt die Jahreszeit, in der es draußen oft ungemütlich ist. Eine wunderbare Einladung an uns, darüber nicht zu jammern, sondern in der Stille die uns tragenden Kräfte wahrzunehmen, welche das Lärmende oft genug verbergen möchte.
   
August
2013
 
Draußen ist das herrlichste Sommerwetter und ich habe 2 Trauerfeiern vorzubereiten und morgen ist Abgabetermin für den „Gedankensplitter“. Wie oft ist es so, dass Termine und andere Pflichten uns abhalten, schöne Momente und Situationen zu genießen. Nun macht mir jede Trauerfeier deutlich bewusst, dass unser Leben endlich und vergänglich ist. Ist es da nicht angebracht, innezuhalten und sich zu fragen, ob die uns auferlegten Pflichten es alle wert sind, dafür Lebensenergie, Mühe und Lebenszeit zu opfern? Ganz gleich, ob es dabei einen selber, die Familie, die Freunde oder den Beruf betrifft. Ziel kann es dabei freilich nicht sein, allen Pflichten und Aufgaben möglichst aus dem Weg zu gehen. Ein solches Leben wäre leer. Aber viele Pflichten und Aufgaben machen es nicht automatisch sinnvoll. Mein Handeln sollte zu einem großen Teil meinen Talenten und Fähigkeiten sowie meinen Lebensvorstellungen entsprechen. Ist das bei Ihnen so? Ich möchte Sie jetzt einladen, darüber intensiv nachzudenken. Und ich werde mich jetzt dem in der Trauerfeier zu würdigendem Leben zuwenden.
   
Juli
2013
 
An jedem ersten Juliwochenende findet in Rudolstadt ein großes Folkweltmusikfest statt. Es ist das größte in Europa. 87000 (siebenundachtzigtausend) Menschen sind in diesem Jahr nach Rudolstadt gekommen. Trotz der vielen Menschen herrschte eine absolut friedliche, entspannte und fröhliche Stimmung. Die Plätze und Wiesen am frühen Morgen waren nicht mit Müll übersät, auch lagen keine Alkoholleichen in den Ecken. Musikgruppen spielten überall in den Straßen, größere Bands auf den vielen Bühnen in der Stadt und im Park. Fest der Folkweltmusik heißt dieses Festival und tatsächlich war es nicht Musik nur einer Stilrichtung, sondern ein ganz vielfältiges und buntes Gemisch von Musik aus aller Welt. So war die ganze Stadt 4 Tage lang von Musik und gelassener Heiterkeit geprägt. Zum Abschlusskonzert am Sonntagabend mit vielen tausend Menschen tanzten viele in größeren und kleineren Kreisen durch die Menge. Es war sehr bewegend, dies zu erleben. Die ganzen Tage über, aber besonders intensiv zum Abschlußkonzert, ging mir durch den Kopf, dass diese frei von Aggressivität, Gier und Ellenbogenmentalität geprägte Stimmung keine utopische Wunschvorstellung sogenannter „Gutmenschen“ ist. Sicher ist ein solches Fest nicht unser Alltag, aber es zeigt dennoch, eine solche Lebenshaltung ist möglich. Es gibt Alternativen zur vorherrschenden Lebensart, die Mitmenschlichkeit und Natur vernichtet. Wir müssen uns nur tagtäglich darauf besinnen und uns wehren gegen alle Versuche, die uns diese Sehnsucht ausreden wollen. Festivals wie das in Rudolstadt sind eine der möglichen Kraftquellen dazu.
   
Juni
2013
 

Lebensräume - so hieß das Thema des diesjährigen Bildhauersymposiums. Ort des künstlerischen Schaffens war der herrliche Schlosspark zu Behringen. Was sind gute Lebensräume und was gefährdet diese? Mitten in einem guten Lebensraum haben Künstler ihre Gedanken und Vorstellungen zu dem Thema kreativ umgesetzt.
Ein Lebensraum ist viel umfassender als ein Lebensort. Am Lebensort vollzieht sich unser Alltag, unser Dasein. Dieser Ort sollte nach Möglichkeit ein Raum sein, an dem sich das Leben im guten Sinn entfalten kann. Dazu muss dieser Ort möglichst frei von Störungen sein, die unsere (Lebens)Sinne beeinträchtigen. Unser Alltag ist reichlich gefüllt mit solchen Störungen. Hektik und Lärm sind zwei gewichtige Belästigungen. Sicher lassen sie sich nicht immer vermeiden. Wie gut tut es da, unbeeinflusst von Stress und Lärm den Sonntag zu genießen! Im Garten, in der freien Natur oder auch beim Betrachten der Skulpturen im Schlosspark zum Thema „Lebenräume“. Eine Skulptur in Muße auf sich wirken zu lassen, ist auch ein wichtiger Lebensraum. Was dabei geschieht an Inspiration, bleibt nicht ohne Folgen für die eigene Gestaltung des Lebensraumes. Vielleicht wird uns dabei bewusst, wie sehr unsere Gegenwart von völlig sinnlosen und lautstarken Störungen unserer Lebensräume bestimmt wird.
Wenn wir uns dann noch ermutigen lassen, gegen unnötigen Lärm aufzubegehren - dann hat die Kunst im Schlosspark Behringen eines ihrer Anliegen erreicht.

   
Mai
2013
 
Im Mai hatten wir drei Feiertage - den 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten. Tage, an denen wir frei über unsere Lebenszeit verfügen konnten. Wunderschöne Möglichkeiten im Wonnemonat Mai, das Leben zu genießen. Zusammen mit der Familie und mit Freunden zu feiern, sich daran zu erfreuen, wie alles wieder grünt und blüht.
Himmelfahrt und Pfingsten sind uralte Feste. Die kulturellen Hintergründe dieser Feste sind den meisten fremd geworden. Warum nun nicht mal danach fragen, ob in den überlieferten Geschichten dieser Feste etwas enthalten ist, was auch uns Menschen des 21. Jahrhunderts anspricht? So entdecke ich zB. in der Geschichte zu Himmelfahrt: „Jesus entzieht sich Menschen mit den Worten: ihr habt viel gute Lebenskraft in Euch“. Wir alle haben das Wissen in uns, was lebensdienlich und gut für uns ist. Niemand braucht und darf uns eine Lehre oder eine Norm vorschreiben, nach der wir unser Leben auszurichten haben. Und da ist die Pfingstgeschichte: unterschiedliche Sprachen und Kulturen sind keine Last, sondern Ausdruck von Vielfalt und Buntheit. Und da, wo Menschen neugierig sich darauf einlassen, verstehen sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Sprachen und es entsteht darüber hinaus ein fröhliches und ausgelassenes Treiben.
Sind dies nicht wunderbare Geschichten über gelingendes Leben? Solche Geschichten zu entdecken und zu leben - ist das nicht eine großartige Lebensaufgabe für jeden von uns?
Wir sollten solche Geschichten miteinander teilen - wäre der Reformationstag 2013 nicht eine gute Gelegenheit dazu? Um 10 Uhr im Europasaal?
   
April
2013
 
Lang und lichtarm war dieser Winter. Ein Großteil unserer Gespräche drehte sich in den letzten Wochen um dieses Thema. Wir haben unter der Kälte gestöhnt, dem immer neuen Schnee, dass die Sonne so gut wie nie schien. Aber nun ist es doch Frühling geworden und wir alle spüren, wie gut es tut. Wärmere Tage, Sonne, eine milde Luft. Wie sehr ist unsere Stimmung, unser Gemüt auch vom Wetter und der Witterung abhängig. Und wir merken auch wieder, wie ohnmächtig wir doch gegenüber der Natur sind. „Wie gut, dass niemand am Wetter drehen kann“ - so oder so ähnlich sagen wir. Für das aktuelle Wetter stimmt das sicher. Aber für das Klima als Ganzes? Erwärmt es sich nun und ist die Erwärmung menschengemacht? Darüber streiten die Experten. Aber ist das Aufatmen über das Ende des Winters nicht ein guter Anlass, inmitten unseres technisierten Lebens unserer Verbundenheit mit der Natur wie auch unsere Abhängigkeit von dieser nachzuspüren? Das Wort „Demut“ ist durch Missbrauch vergangener Zeiten fast zum Unwort geworden. Demut hat aber auch die Bedeutung von Ehrfurcht und Achtung.
Demut in diesem Sinn gegenüber Natur und Umwelt - macht uns diese tatsächlich klein? Sondern eher dankbar und im Umgang mit ihr behutsamer?
Meditieren Sie doch beim Spaziergang durch die erwachende Natur einmal darüber!
   
März
2013
 
Ein Aspekt des vor uns liegenden Osterfestes ist die Ermutigung zum Aufbruch. Dieser fällt uns ja nicht leicht. Wir Menschen wollen und brauchen Sicherheit, sowohl im privaten Dasein wie auch in der Gesellschaft. Änderungen stehen dem scheinbar entgegen, denn wir wissen ja nicht, was kommt. Und so verharren wir und richten uns im Vorhandenen ein - es wird schon irgendwie gutgehen. Aber wenn nicht? Scheitern durch Festhalten ist so selten nicht. Diese zeitlos gültige Grunderfahrungen menschlichen Lebens findet sich auch in dem Satz aus der Bibel: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“ Er besagt: wer festhalten will und sich vor Veränderungen fürchtet, der geht das hohes Risiko ein, alles zu verlieren, ohne etwas zu gewinnen.
Doch das Weizenkorn-Gleichnis ist nicht grundlos aufgeschrieben. Offensichtlich gibt es auch die ermutigende Erfahrung: wer sich nicht lähmen lässt von der Angst, von der Drohung, vor der scheinbaren Alternativlosigkeit, der "bringt viel Frucht", der wird reich belohnt. Menschen haben dies immer wieder so erfahren! Ganz sicher haben sie bei der Suche nach neuen Wegen nicht immer sofort die absolut perfekte Lösung  gefunden. Aber sie haben nicht krampfhaft festgehalten, was Menschen oder Gesellschaftsstrukturen in Erstarrung gehalten hat. Wie sähe unsere Welt heute ohne diesen Mut zur Veränderung aus?
Folgen wir doch dieser Ermutigung und machen auch wir uns auf den Weg!
   
Februar
2013
 
Fasching liegt hinter uns, das Osterfest vor uns. Zwischen beiden Festen liegt die Fastenzeit. Man kann diese Zeit positiv als Erholungszeit von Zuviel (an Essen, Alkohol, Fernsehen, Feiern....) ansehen und als Gewinn an Zeit zum Besinnen und Nachdenken nutzen. Zum Beispiel darüber: Was für einen Eindruck machen unsere Friedhöfe und was sagen sie über unser Leben aus? Nun - auf mich wirken sie ziemlich öde und trostlos. Aber nicht deshalb, weil sie der Ort für unsere Verstorbenen sind. Sondern weil auf ihnen genormte Eintönigkeit herrscht. Dabei liegen hier Menschen, die doch alle in ihrem Lebensvollzug ganz unterschiedlich waren. Warum spiegelt sich dies so wenig in den Grabmalen wider? Und die Besucher finden keine oder kaum Bäume und Hecken voller Vogelleben, unter denen sie geschützt vor Sonne und Regen gut sitzen und nachdenken, meditieren, plaudern oder trauern können. So wie der Tod zum Leben gehört, so sollte der Friedhof ein wichtiger Ort für unsere Verstorbenen und uns Lebende sein. Ein Ort der Begegnung in einmaliger Art und Weise.
Sollten wir diesem wichtigen Ort des Friedens nicht mehr Mühe und Achtsamkeit widmen? Lasst uns darüber nachdenken und reden!
   
Januar 2013
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In den beiden letzten Monaten hat die Kirchgemeinde Behringen um das Kirchgeld gebeten. In einem Anschreiben wurde darüber informiert, wozu das Geld verwendet werden soll. Bis jetzt sind 5570 Euro eingezahlt worden. Das ist sehr viel Geld - und allen Spendern sei dafür recht herzlich gedankt. Geld ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für unsere Angebote, sondern auch Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung. Um so mehr freut uns die Höhe des gezahlten Kirchgeldes. Diese Summe aber steht nun in einem Widerspruch zu der Anzahl der Menschen, welche die Angebote der Kirchgemeinde auch tatsächlich nutzen. Nicht nur mich bewegt die Frage: Woran liegt das? Darum hier ein Wunsch: Teilen Sie uns doch mit, was an Angeboten und Themen gewünscht wird! Was stört oder erschwert das Teilnehmen? Jede Anregung per Email, per Brief, oder im Gespräch ist erwünscht. Denn so wichtig Geld auch ist, erst durch Teilnehmen und Mitwirkung möglichst vieler Menschen entsteht buntes und lebendiges Geschehen.
Im Februar wollen wir dazu etwas Neues wagen. In Craula am 10. Februar und in Hütscheroda am 17. Februar ist jeweils um 11 Uhr Platz für Frauen und Männer am „Stammtisch Nach- und Quergedacht“.
Fühlen Sie sich eingeladen. Ihr Geld ist wichtig, aber vor allem sind Sie als Mensch gefragt und willkommen.
   
Dezember
2012
 
„Zwischen den Jahren“ erscheint dieser Gedankensplitter. „Zwischen den Jahren“ - dahinter verbirgt sich ein Streit um den Zeitpunkt der Geburt Christi wie auch um den Tag des Neujahrsbeginn. „Zwischen den Jahren“ gab und gibt es eine Vielfalt an Bräuchen und Aberglauben. Sie sollen im neuen Jahr für Glück, Gesundheit und Eintracht sorgen. Wir haben heute dazu unsere guten Vorsätze und da und dort auch insgeheim so manchen Aberglauben, dem mehr oder weniger ernsthaft vertraut wird. Das neue Jahr soll halt ein gutes Jahr werden. Dabei hoffen wir auch auf scheinbar unvernünftiges. Glaube soll ja Berge versetzen können. Tatsächlich haben wir eine innere Kraft, die wir zu wenig beachten. So berauben wir uns der Möglichkeit, diese Energie im guten Sinn für uns zu nutzen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen unserem Denken und dem äußeren Geschehen. Folgende Worte aus einem alten Buch ermutigen und ermahnen uns:
„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“
Vielleicht nehmen Sie sich ja für das neue Jahr den Vorsatz, mit den eigenen Gedanken achtsamer umzugehen.
   
November
2012
 
Dieses Jahr ist aber schnell vergangen - so klagen selbst schon junge Leute. Nun ist das Jahr fast am Ende, der goldene Herbst musste der dunklen und trüben Jahreszeit weichen. Es ist kein Zufall, dass alle traurigen Gedenktage in diese Jahreszeit fallen - der Buß- und Bettag, der Volkstrauertag, der Totensonntag. Diese Gedenktage erinnern uns an die dunklen Seiten des Lebens - an unsere Ängste, an die Konsequenzen von falschen Entscheidungen und von solchen, denen wir aus dem Weg gegangen sind. Und schließlich und endlich wird in dieser Jahreszeit deutlicher als sonst, dass uns nicht ewig Zeit zur Verfügung steht, die hellen wie auch die dunklen Seiten unseres Daseins zu bedenken und zu leben. In einem Lied heißt es: „Du bist ein Teil vom Strom der Zeit, und er duldet kein zurück. Er ist Tod und Leben zugleich, gut und böse, Tag und Nacht.“ Den Strom des Lebens können wir nicht anhalten und wir können ihm nicht entgehen. Die trübe Jahreszeit ist, gegen allen äußeren Schein, keine lebensfeindliche Zeit. Im Gegenteil - sie hält für jeden von uns eine freundliche Einladung bereit: lass dich doch mal bewusst treiben. Reduzier deine Geschäftigkeit, werde still, nimm dich als Persönlichkeit wahr. Schau doch mal in Ruhe nach, was sich so alles in dir bewegt.
Ob wir dann den Strom des Lebens anders wahrnehmen? Lasst uns doch mal schauen!
   
Oktober
2012
 
Überall feiern die Menschen in diesen Tagen Erntefeste in einer großen Vielfalt. Es geht uns gut. Den meisten jedenfalls. Nahrung ist reichlich vorhanden. Und wie das oft so ist - was reichlich da ist, wird als Selbstverständlichkeit hingenommen. Wir machen uns keine oder zu wenig Gedanken. Höchstens wird geschimpft, wenn die Preise mal steigen oder die Lebensmittel nicht wie gemalt aussehen.
Aber welche Bedeutung steckt allein im Wort „Lebensmittel“ - ein Mittel zum Leben. Tatsächlich haben wir uns in gut 2 Millionen Jahren Evolution an die natürlich vorhandene Nahrung bestens angepasst. Auch durch unsere Ernährung sind wir zu dem geworden, was wir sind. Heute werden immer mehr Nahrungsmittel industriell hergestellt. Sie werden angereichert mit künstlichen Zusatzstoffen, deren Wirkungen auf unseren Organismus wir nicht überblicken. „Gesunde“ Vitamine werden hochkonzentriert zugesetzt und machen nicht selten krank. Gentechnik und chemische Düngemittel garantieren hohe Erträge bei wenig Aufwand. Dass davon Gefahren für die Natur und das Leben ausgehen, blenden wir aus. Fleisch wird in Mast-Anstalten produziert. Unsere Nahrung ist zum großen Teil ein billiges Industrieprodukt geworden. Entsprechend achtlos gehen wir damit um.
Ob das alles gut geht auf Dauer?
   
September
2012
 
Der September geht bald zu Ende und damit auch die Urlaubs- und Reisezeit dieses Jahres. Diese Periode ist eine gute Zeit zur persönlichen Erholung. Aber sie ist noch viel mehr. Befreit vom Alltag mit all seinen kleinen und größeren Sorgen, bietet jede Reise die Chance der Überprüfung: stimmt eigentlich meine persönliche Meinung über eine Menschengruppe, eine Kultur, eine Religion, ein Land?
Wir werden alltäglich mit Nachrichten und Informationen zugeschüttet. Oft sind Konflikte oder Katastrophen der Auslöser für Nachrichten und Kommentare. Sogenannte Experten „erklären“ uns die Welt mit ihrer Sicht der Dinge. Da werden schnell ganze Völker und Kulturen abgestempelt. Ohne schlimme Ereignisse kleinzureden, sie bilden aber doch nur einen Ausschnitt eines Landes und seiner Kultur ab. Sie zu verallgemeinern, ist nicht richtig.
Wir kennen dies ja auch umgekehrt: wunderschöne Bilder in Reiseprospekten, die aber auch nur einen Ausschnitt der Realität zeigen. Reisen wir mit offenen Sinnen und Neugier, erfahren wir: in Wirklichkeit ist alles vielfältiger, bunter, komplexer. Solche Erkenntnisse schützen vor einseitigen Be- und Verurteilungen und befähigen uns zum Verstehen und zum Dialog. Wir werden so immun gegen einseitige Weltschau mit ihren negativen Folgen.
Haben Sie solches erlebt? Erzählen Sie davon!
   
August
2012
 
„Bringen Sie doch mal Ihren Alten mit“ - dieses besondere Angebot macht seit einiger Zeit die Linden-Apotheke Behringen. Es ist ein Angebot zum sparsamen Umgang mit unseren Ressourcen. Diskutiert über dieses Thema wird ja reichlich in Politik und Gesellschaft. Und das ist gut so, auch wenn es oft nur beim Reden bleibt, aber immerhin zeigt es eine zunehmende Aufmerksamkeit für diese Problematik. Nicht selten aber stellen sich dabei Ängste ein, in Zukunft nicht mehr so komfortabel leben zu können, wie uns das heute noch möglich ist. Aber bedeutet denn komfortabel zu leben nur bequem zu leben? Früher zwang die Armut die Menschen zu einem sparsamen Umgang mit den lebensnotwendigen Dingen, wie Essen, Kleidung, Transportmittel. Heute können wir uns mehr leisten. Wobei mehr leisten ja sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Mehr leisten können zB. im Sinn der wunderbaren Möglichkeit einer freien und bewussten Entscheidung: ich greife nicht deshalb zum Stoffbeutel, weil ich mir nichts anderes leisten kann, sondern im schönen Gefühl, dadurch mit den Raubbau einzudämmen. Dass der Stoffbeutel darüber hinaus belastbarer als der aus Plaste oder Papier ist, kommt noch dazu.
Sich Nachhaltigkeit zu leisten ist die neue Form des Luxus
   
Juli
2012
 
Neulich las ich von einer Begebenheit, in der sich ein Mann auf dem Heimweg befand und es hieß, dass der Weg öde war. Konkret wird der Weg nicht beschrieben. Das spielt auch keine Rolle, denn der Weg war deshalb öde, weil der als reich und mächtig beschriebene Mann mit sich unzufrieden war, ohne den Grund dafür nennen zu können. Und so war er auf der Suche. Seine aktuelle Reise hatte ihn an einen Ort geführt, der weit und breit als Ort der Glücksfindung bekannt war. Viele Menschen begegneten ihm und er verbrachte dort auch einige Zeit. Aber sein seelischer Zustand blieb unverändert. So nahm er einige der zahlreich ausliegenden Broschüren mit und fuhr niedergeschlagen heim. Öde war ihm zumute, und so blätterte er auch in den Broschüren. Aber auch das half nichts. Da sprach ihn ein Fremder an und fragte nach dem Grund seines Missmutes. Er muss dies in einer sehr guten Art getan haben, denn der Mann (reich und mächtig) fühlte sich nicht beleidigt, sondern konnte offen und frei erzählen, was ihn bewegte. So kamen die beiden ins Gespräch und die Erzählung endet damit, dass der Mann fröhlich seine Straße zog. Nicht der Ort, nicht die vielen flüchtigen Begegnungen, auch nicht die Broschüren hatten ihn fröhlich gestimmt, sondern die Begegnung mit einem aufmerksamen Zuhörer, der sich Zeit für ihn nahm, sich in den Mann einfühlen konnte und ihm so zur Hilfe für seine Suche wurde.
Ob wir auf den zahlreichen Wegen in der kommenden Urlaubs- und Reisezeit ähnliches erleben werden? Als gute Zuhörer oder als zutiefst fröhlich Gestimmte? Oder gar Beides?
   
Juni
2012
 
In der ersten Juniwoche arbeiteten 7 Künstler im Park zu Hütscheroda im Rahmen des diesjährigen Bildhauersymposium. Ihre dabei entstanden Skulpturen stehen unter dem Thema Wachstum. Sie stehen nun in unserer wunderschönen Landschaft und mahnen uns, mit dieser pfleglich umzugehen. Pfleglich im übertragenen Sinn, dass Wachstum nicht unendlich gesteigert werden kann, damit es uns nicht „über den Kopf wächst“. Pfleglich aber auch ganz im eigentlichen Sinn des „Handanlegens“. Dies wurde mir bewusst, als ich während des Symposiums tagtäglich an dem vor genau einem Jahr umgesetzten Mamutbaums vorbei lief. Dieser Baum erinnerte mich wieder daran, dass er nur deshalb hier steht, weil die Behringer Apothekerfamilie ihn nicht einfach fällte, als er am alten Standort zu groß wurde, sondern nach Wegen suchte, ihn zu erhalten. Er steht nun im Park zu Hütscheroda, weil Wolfgang Zott Menschen fand und dafür begeistern konnte, sich des eingesetzten Baumes anzunehmen. So hat Manuel Spieth den Baum regelmäßig gegossen, um sein Einwachsen nicht zu gefährden. Und so steht er nun in aller Schönheit in Hütscheroda, kann sich frei entfalten und gibt Zeugnis davon, dass Wachstum heute mehr denn je bedeutet, nachdenklich und behutsam mit unserer Welt umzugehen.
   
Mai
2012
 
Unkraut sein - eine grauenhafte Vorstellung. Unnütz, störend, nicht ins Bild passend, zur umgehenden Beseitigung und Ausmerzung bestimmt.
Auf welcher Grundlage wird eigentlich festgelegt, was Unkraut ist? So entdecken wir heute manches “Unkraut“ als nützliche Pflanze wieder. Gut, dass es sie noch gibt! Niemand kann also genau wissen, welchen Zweck die von und als Unkraut eingestufte Pflanze erfüllt.
Neulich las ich folgendes Zitat: „Freiheit und Nonkonformismus sagen: Ich mache mein Ding, ich lasse mir nicht reinreden, ich bin das Unkraut, ich wachse, wie es mir gefällt.“
In diesem Zitat wird der Begriff des Unkrautes im übertragenen Sinn auf uns Menschen verwendet. Zudem wird die gängige Sicht auf das Unkraut in Frage gestellt. Nicht ängstlich angepasst, sondern auch öffentlich so lebend, wie man sich fühlt und im Grunde seines Innersten ist. Mut zum Ich-Sein, auch wenn man auffällt.
Eine Wiese, die ohne ständige Eingriffe aus sich selbst wachsen darf, sieht bunt aus, ist voller Vielfalt und großem Reichtum.
Ist es mit uns Menschen im Grunde genommen nicht ganz ähnlich?
Sollten wir uns nicht mehr Zeit nehmen für die bunte Wiese unseres Lebens mit all den Verschiedenheiten unserer Mitmenschen?
   
April
2012
 
Vor 3 Wochen war Ostern. Die einen feiern Ostern als Frühlingsfest und versammeln sich essend und trinkend um ein großes Osterfeuer. Für andere wiederum ist nur dann richtig Ostern, wenn die kirchlichen Traditionen eingehalten werden. Gar nicht so selten wird dabei entweder spöttisch oder schimpfend die jeweils andere Art des Feierns bewertet. Muss das sein? Ich meine nein. Ostern ist ein Naturfest - die Natur „erwacht“ aus dem Winterschlaf, es beginnt wieder zu grünen und zu blühen. Und Ostern ist ein religiöses Fest - Menschen „erwachen“ aus dem, was Leben erstarren lassen kann - Hoffnungslosigkeit, Ungewissheit, Angst. Beides zu bedenken und zu feiern tut uns gut und ist darum wichtig. Warum also nicht das eine tun und das andere ebenso? Zumal es viele Gemeinsamkeiten gibt: hier das Osterfeuer, dort die Osterkerze; hier Speisen und Getränke, dort Brot und Wein; hier die in der Natur zusammen gekommenen Menschen, dort die im Kirchengebäude versammelten Menschen. So bedenken wir die Natur, in der wir leben und die Religion, die, bewußt oder unbewußt, unser Leben prägt.
Also dann: Auf Wiedersehen beim nächsten Fest.
   
März
2012
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Alltäglich zum Feierabend vor dem Fernsehgerät durch 30 Programme zappen, nebenher mittels Tablet-Rechner bei Ebay stöbern und sich noch schnell mit dem Smartphone um Facebook kümmern - alltäglich damit soviel Aufmerksamkeit verbrauchen, dass zum Genießen des Lebens keine Zeit mehr bliebt
Zum Ausgleich Dinge kaufen, die man kaum oder nur sehr oberflächlich nutzt. Die Quantität des materiellen Wohlstandes steigt und mit ihr sinkt oft die Qualität des Wohlstandes. Wir spüren - es fehlt etwas, Unzufriedenheit mit dem eigenen Dasein begleitet uns. Denn zum Glücklichsein gehört dazu, aktiv und bewusst seine Lebenszeit zu gestalten und zu genießen.
Im April feiern wir das Osterfest. Die kirchliche Deutung des Osterfestes ist die Auferstehung Jesu. Gemeint ist damit allerdings nicht die Rückkehr Jesu in das irdische Leben, sondern die Verkündigung, dass seine Anhänger zu neuem Leben gefunden haben.
Für uns heute könnte neues Leben bedeuten, frei zu werden für Achtsamkeit und Besinnung auf die Bedürfnisse des eigenen Lebens.
   
   

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